Gottfried Keller: Der grüne Heinrich

Sprecher: Rolf Boysen
Regie: Heinz Nesselrath
Produktion: SWR
Hörproben: QuickTime progressive
MP3

Info:
Der grüne Heinrich und seine Welt

Ist Heinrich Lee ein Außenseiter? Der Leser erlebt ihn als nachdenklich, scharf beobachtend, aber oft als verträumt und lethargisch. "Sie sind ein wesentlicher Mensch, aber Sie leben in Symbolen", sagt der Graf (IV/11). Das trifft wohl auch schon für das Kind zu, vielleicht, weil der kleine Heinrich viel allein ist und seine eigene Welt entwickeln muss. "Desto eifriger verkehrte ich im stillen mit mir selbst, in der Welt, die ich mir allein zu bauen gezwungen war" (I/10). Zu der Stadtjugend gehört er nicht so ganz, denn seine Familie stammt vom Land. Der Wunsch, so zu sein wie die anderen, bringt ihn wiederholt in Schwierigkeiten. Im Heimatdorf seiner Eltern ist er willkommen, aber er ist doch einer, der von außen kommt: "der Maler". Er erlebt die Natur, das Alltagsleben, die Feste. Er erlebt Vergänglichkeit und Lebensfülle, er lässt sich treiben und findet den Weg zu der schönen Judith im Nebel, den zu Dortchen Schönfund als Verirrter in der Dämmerung. Er nimmt die Opfer seiner Mutter gedankenlos an und zögert überlang mit der Heimkehr; aber die Heimat und die Mutter vergisst er nie.

Der 1. Teil des in vier Bänden gegliederten Romans umfasst die Kindheit und Schulzeit, die Keller als "Vorspiele des ganzen Lebens" anlegte.

Hermann Hesse:
"Das Geheimnis des Grünen Heinrich ist dasselbe wie bei Homer, Dante, Boccaccio, Shakespeare und Goethe ... Was der Grüne Heinrich erlebt hat, wird heute und morgen und in hundert Jahren von vielen wieder erlebt werden."

Ricarda Huch:
"Der grüne Heinrich in seiner endgültigen Fassung ... besitzt die Reife und Vollendung, die vielleicht nur ein Werk haben kann, an dem Jugend und Alter gemeinsam gearbeitet haben."

Theodor Heuss:
"Der grüne Heinrich ist die Jugendgeschichte schlechtweg, an der wir alle teilhaben, und sie ist um so vollkommener, überzeugender, da sie angefüllt ist vom Reichtum individueller Farbengebung."

Pressestimmen zum Hörbuch:
Zürcher Tagesanzeiger (9.3.2004):

"Boysens Stimme hat Charakter, kann rau und seiden tönen, hart auch, wo sie die schaurige Geschichte vom Meretlein vorträgt, dann wieder feierlich staunend, wenn die schöne Judith auftaucht. 'Ein unbeschreibliches Behagen', wie es im Roman heißt, breitet sich beim Hören aus, das Behagen großer Erzählkunst."

NDR "Kulturelles Wort" (31.12.2003):
"Rolf Boysen ist der ideale Interpret, um diese Spannungsverhältnisse in Balance zu halten. Fast schneidend und schnarrend, aber eben doch gemächlich und vertraut gleitet seine Stimme durch die weit ausgreifende Erzählung." (Dietrich zur Nedden)

Die Rheinpfalz:
"Rolf Boysen, ein Theaterschauspieler von hohen Weihen, setzt seine volle, manchmal leicht kratzige Stimme bei der Lesung mit fast an Ironie grenzender Distanziertheit ein und unterstreicht so die jede Individualität verachtende Brutalität der geschilderten Erziehungsmethoden. Mit jedem Satz spürt man zugleich die Freude des Sprechers an Gottfried Kellers feinsinnig-ruhiger, fast behäbiger Sprache."

6 CD ca. 8 h ISBN: 3-936088-25-X 34.90 EUR

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